BIEGEL Technik

Blowerdoor - das luftdichte Gebäude

Um nachhaltig Energie zu sparen hat, der Gesetzgeber erstmalig die Enev 2002 (Energieeinsparverordnung) verabschiedet. Die neue derzeit gültige Enev wurde zum Jahr 2009 (Energieeinsparverordnung 2009) modifiziert und ist somit 2009 in Kraft getreten. Sie ist derzeitig geltendes Recht in Deutschland und muss im Neu- und Altbau unbedingt eingehalten werden. Ab 01.Mai 2014 gilt die neue Enev 2014.

Die Enev 2009 schreibt in § 6 vor:

"Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den "anerkannten Regeln der Technik" abgedichtet ist."

Mit dem Differenzdruck-Messverfahren dem sog. Blower-Door-Test, wird die Luftdichtheit eines Gebäudes gemessen und nachgewiesen. Das Verfahren dient weiterhin dazu einzelne Leckagen in der Gebäudehülle aufzuspüren und die hygienische Mindestluftwechselrate (n = 0,5 1/h) nach DIN 1946-6 zu überprüfen.

Für den Bewohner bedeutet eine undichte Gebäudehülle einen verminderten Wohnkomfort, da Zuglufterscheinungen und Kältezonen in der Wohnung auftreten. Besonders im Bodenbereich entstehen regelrechte Kälteseen durch permanent nachströmende Außenluft. Undichtheiten wirken wie Wärmebrücken. Das betref- fende Bauteil kühlt im Bereich von Fugen und Spalten aus, wodurch Wasserdampf kondensieren und es in der Folge zu massiven Schimmelpilzbefall kommt, was zunächst weiterhin verborgen bleibt. Durch Leckagen in der Gebäudehülle strömt die warme, feuchte Raumluft auch direkt in die Baukonstruktion (sog. konvektiver Wasserdampftransport) und kühlt sich dort zunehmend ab. Der kondensierende Wasserdampf führt zur Durchfeuchtung der Konstruktion und die Entstehung von Bauschäden, vor allem an Dachkonstruktionen ist zwangsläufig vorgegeben. Diese Bauschäden, die erst nach Jahren auftreten können, verursachen dann kostspielige Sanierungen. Deshalb schreibt der Gesetzgeber in seiner Enev 2009 vor, dass Planung und Ausführung der Dichtheit der Gebäudehülle entsprechend der DIN 4108-7:2001-08 auszuführen ist. Natürlich muss regelmäßig gelüftet werden, allerdings kurz und kräftig! Die sogenannte Stoßlüftung sorgt für den schnellen Austausch der Luft, ohne dass hierdurch die Bauteile wie Wände, Decken, Böden, auskühlen. So wird die Raumluft schnell wieder temperiert und die Lüftungswärmeverluste bleiben gering.

Irrtümlicherweise gehen viele Beteiligte am Bau immer noch davon aus, dass eine nachgewiesene Luftdichtheit von 3,0 h - 1 bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlagen, und 1,5 h – 1 mit raumlufttechnischen Anlagen, wie in Anlage 4 Nr. 2 zu §6 Enev 2009 beschrieben, ausreichend ist. Das ist falsch, denn diese Grenzwerte sollen nur dazu dienen, festzulegen, ab welchem Wert eine Berücksichtigung der Luftdichtheit bei der Berechnungen der Lüftungswärmeverluste zulässig ist.

Die Formulierungen sind in der EnEV sehr eindeutig gewählt:

"Wird die Dichtheit nach den Sätzen 1 und 2 überprüft, kann der Nachweis der Luftdichtheit bei der nach § 3 Abs. 3 und § 4 Abs. 3 erforderlichen Berechnung berücksichtigt werden, wenn die Anforderungen nach Anlage 4 Nr. 2 eingehalten sind."

Weiterhin muss auch nach den "anerkannten Regeln der Technik" Luftdicht gebaut werden. Im Gegensatz zur Enev 2009 trifft die hier geforderte Luftdichtigkeit auch auf den Altbau zu.

Dazu ein Auszug aus den "anerkannten Regeln der Technik", explizit aus der DIN 4108-2:2003-07
Punkt 7 - Hinweise zur Luftdichtheit
„Bei Fugen in der wärmeübertragenden Umfassungsfläche des Gebäudes … ist dafür Sorge zu tragen, dass diese Fugen nach dem Stand der Technik dauerhaft und luftundurchlässig abgedichtet sind … Aus einzelnen Bauteilschichten zusammengesetzte Bauteile oder Bauteilschichten … müssen unter Beachtung von DIN V 4108-7 luftdicht ausgeführt sein. Die Luftdichtheit von Bauteilen kann nach DIN EN 12114, von Gebäuden nach DIN EN 13829 … bestimmt werden. Der aus Messergebnissen abgeleitete Fugendurchlasskoeffizient von Bauteilan- schlussfugen muss kleiner als 0,1 m³/[mh(daPa^2/3)] sein …Bei Fenstern und Fenstertüren gelten die Anforderungen nach DIN 18055. Bei Außentüren muss der Fugendurchlasskoeffizient a <= 2,0 m³/[mh(daPa^2/3)] sein, da eine Funktionsfuge vorliegt.“

Dazu ein Auszug aus den "anerkannten Regeln der Technik", explizit aus der DIN 4108-3:2001-07
Punkt 6 - Hinweise zur Luftdichtheit

„Wände und Dächer müssen luftdicht sein, um eine Mitführung von Raumluftfeuchte, die zu Tauwasserbildung in der Konstruktion führen kann, zu unterbinden. Auf die Luftdichtheit von Anschlüssen und Durchdringungen (z.B. Wand/Dach, Schornstein/Dach) sowie bei Installationen (z.B. Steckdosen) ist besonders zu achten. Auch Querströmungen in Belüftungsschichten innerhalb einer Konstruktion zwischen unterschiedlich beheizten Räumen sind zu vermeiden…Sichtmauerwerk und Holzfachwerk sowie Mauerwerk nach DIN 1053-1 allein sind nicht luftdicht im Sinne dieser Anforderung; diese Wandaufbauten müssen auf einer Seite eine Putzschicht nach DIN 18550-2 haben oder es sind sonstige luftdichtende Maßnahmen zu treffen. Luftdicht in diesem Sinne sind z.B. Betonbauteile nach DIN 1045-1 und DIN 1045-4 oder Putze nach DIN 18550-2 bzw. DIN 18558. Bei anderen Konstruktionen muss gegebenenfalls, bei Holzbauteilen generell, eine Luftdichtheitsschicht nach DIN V 4108-7 angebracht werden.“

Ablauf der Prüfung 

Die Luftdichtheit von Gebäuden wird mit dem Druckdifferenzverfahren nach DIN EN 13829 bestimmt. Hierzu wird ein Gebläse mit einer Messeinheit in eine Gebäude- öffnung (Fenster oder Tür) eingebaut und dann eine Druckdifferenz von 50 Pa (entspricht einem Winddruck von etwas mehr als 30km/h) zwischen dem Gebäudeinneren und dem atmosphärischen Druck erzeugt. Der für diesen Druck notwenige Luftstrom wird gemessen (sogenannter "nL50-Luftwechsel"), er ist je nach Dichtheit unterschiedlich. Der gemessene Wert wird auf das Raumvolumen bezogen:

n50 = V50 / VL

DruckdifferenzmessungDer erhaltene Wert (Einheit 1/h oder h-1) sollte bestimmte Grenzwerte nicht übersteigen oder unter- bieten (hygienischer Mindestluftwechsel). Je kleiner dieser Wert ist, desto dichter und damit besser ist die Gebäudehülle. Es gibt kein absolut dichtes Gebäude. Entscheidend ist, an welchen Stellen sich ggf. Leckagen befinden und in welchem Maß. Eine Leckagebestimmung sollte daher grundsätzlich durchgeführt werden.

Eine Dichtheitsmessung zur Prüfung der Gebäude- dichtheit gehört dann durchgeführt, wenn dichte Ebenen wie Innenschutz, Durchbrüche, Dampfbremse am Dach etc. hergestellt wurden, jedenfalls aber noch vor der Fertigstellung des neuen Gebäudes oder der Modernisierung. Der Test sollte also vor der Herstellung des Estrichs erfolgen, sodass auffällige Undichtheiten (z.B. an den Maueranschlüssen) noch korrigiert werden können. Gleichzeitig lassen sich bei der Dichtheitsmessung auch die Schwachstellen entdecken. Dazu wird mittels Thermografie ein DruckdifferenzmessungInfrarotbild des Bauteils angefertigt, bzw. wird mittels Anemometer die Luftgeschwindigkeit an der Leckage gemessen.

Die DIN 18329 beschreibt zwei Arten der Messung, abhängig von deren Ziel. Für beide Arten sind unter- schiedliche Vorbereitungen notwendig.

Verfahren A (Prüfung des Gebäudes im Nutzungs- zustand) Der Zustand der Gebäudehülle sollte dem Zustand während der Jahreszeit entsprechen, in der Heizungs- oder Klimaanlagen benutzt werden. Das Verfahren A dient nicht zum Nachweis der Gebäude- dichtheit.

Verfahren B (Prüfung der Gebäudehülle) ist die eigentliche Dichtheitsprüfung entsprechend der Enev 2009 (Fachkommission Bautechnik der Bauminister- konferenz)

Die Biegel Fassade & Dach führt im Eigeninteresse bei ihren Arbeiten zur Prüfung der Leckagefreiheit, prinzipiell eine Differenzdruckmessung "Verfahren B", sowie eine umfangreiche Leckagesuche während den laufenden Arbeiten durch. Nach Abschluss der Arbeiten empfehlen wir dem Kunden beide Messun- gen, nach "Verfahren A" und "Verfahren B", durchzuführen.

Sie haben noch Fragen zur Druckdifferenzmessung, dann rufen Sie einfach an, gerne erstellen wir auch für Sie ein ausführliches Angbot. Sie erreichen uns in Stuttgart unter der Rufnummer 0711-520895-30 oder über unser Kontaktformular.

 Unterschrift Gordon Biegel